Dienstag, 16. Februar 2016

Ferner liefen... (Tag 1/2/3)

Forum: Trivisa

Das 1997 beginnende, auf 50 Jahre angelegte Übergangsstadium Hongkongs zwischen britischer Kronkolonie und tatsächlicher Eigenständigkeit – das schon Wong Kar-Wais gewaltiger 2046 zum Thema hatte – wählen drei junge kantonesische Regisseure als Folie ihres Forum-Beitrags. Wie drei frühere Obergangster mit den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbrüchen fertig werden, erzählt Trivisa verschachtelt und recht dynamisch, aber doch arg dialoglastig und sprunghaft – zumindest als mitternächtlicher Abschlussfilm eines langen Festivaltages. Der große Johnnie To, der die Filmemacher als Produzent unterstützt hat, hätte daraus vielleicht einen bildgewaltigeren Streifen fabriziert.


Wettbewerb (außer Konkurrenz): Mahana

Nach vielen Jahren in Hollywood drehte Regisseur Lee Tamahori (Die Another Day, 2002) in seiner neuseeländischen Heimat das Familiendrama Mahana, das auch thematisch so etwas wie die Fortsetzung seines Debütfilms ist. Bereits Once We Were Warriors (1994), nach dessen Erfolg Tamahori emigriert war, hatte sich der Situation der Māori in Neuseeland auf familiärer Ebene genähert. Unmittelbar daran an schließt in Mahana nun vor allem die Figur des gewalttätigen Patriarchen, die erneut von Temuera Robinson gespielt wird. Indem er nun in den Blickwinkel eines aufmüpfigen 14-jährigen Enkels (Akuhata Keefe) schlüpft, setzt Tamahori abermals durchaus zur Demontage rückwärtsgewandter Verhältnisse an. Die bereits 1994 laut gewordenen Bedenken einiger Māori, ihre Kultur werde durch den fiktionalfilmischen Fokus auf ihre destruktiven Aspekte gefährlich reduziert, werden sich auch durch Tamahoris neuen, auffallend konventionell gedrehten Film nicht zerstreuen lassen.



Panorama: When the Women Are Sleeping

Vor Beginn der Premiere seines neuen Films zitiert der in Hongkong geborene Regisseur Wayne Wang Kollege Hitchcock: Dem berühmten Diktum des Suspense-Paten gemäß solle das Publikum auch When the Women Are Sleeping bitteschön als Komödie lesen – und lacht daraufhin selbst. Von ein paar netten Sarkasmen abgesehen, fällt das in der Tat schwer. Der charismatische Hidetoshi Nishijima, auf der Berlinale bereits mit Creepy vertreten, verkörpert einen jungen Romancier, den es mit seiner Frau (Sayuri Omayada) in ein Ferienhotel an der japanischen Küste verschlagen hat. Bald obsessiv widmet sich der Autor einem seltsamen Gastpärchen: Der erheblich ältere Mann – den kein geringerer als Takeshi "Beat" Kitano unvergleichlich stoisch gibt (und die Berlinale per Videobotschaft grüßte; s.o.) – filmt die junge Frau (Shioli Kutsuna) nachts beim Schlafen. Entgegen Wangs zusätzlicher Vorbemerkung ist sein sorgsam konstruierter, kühl spannender Thriller keineswegs überkomplex; als sich das Verwirrspiel um Voyeurismus, Leidenschaft und Gewalt seinem Höhepunkt nähert, ist ein Hauch Hitchcock indes tatsächlich spürbar.

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