Donnerstag, 18. Februar 2016

Im Bann des Spiels: Remainder (Panorama)

Passend zur digitalen Unterhaltung mit einer lieben Freundin über den, nun ja: lebenssituativen Status von Lieblingsfilmen (Hey Marion!), zeigt die Panorama-Programmsparte Remainder. Wie einfach lässt sich vorstellen, welch fundamentalen Eindruck dieser Film auf einen gewissen etwa 17- bis 19-Jährigen gehabt hätte, der gerade seine privat wie beruflich folgenschwere Filmleidenschaft entdeckt! Und vielleicht heute andernorts hat. Sicher: Remainder erfindet den Mindfuck Movie nicht und auch nicht neu. Wie der israelische Videoinstallationskünstler Omer Fast seine Charaktere marionettengleich durch eine verwinkelte filmische Reise führt, ist insofern "nur" atemberaubend.

Tom Sturridge spielt einen Mann, dem auf offener Straße etwas sehr Schweres (eine Drohne?) auf den Kopf fällt. Als ihn die Ärzte wieder halbwegs zusammengeflickt haben, ist er zwar weiter Teile seines mentalen Speichers beraubt, durch eine außergerichtliche Einigung aber um exakt achteinhalb (filmhistorische Anspielung?) Millionen Pfund reicher. Und wie sich das für ein plötzlich steinreichen Typen gehört, verdirbt es sogleich seinen Charakter. Um die Fetzen seiner Erinnerung sozusagen performativ zu rekreieren, stellt er eine Art 'Weddingplaner für alle Lebenslagen' ein, der seine Erinnerungen (Wahnvorstellungen? Visionen?) mit riesigem Aufwand und sklavenartigen Darsteller_innen zu einer makaberen Verwirklichung verhilft. Ein bisschen The Game mit offenen Karten also.

Angenehm kompromisslos und daher herausfordernd bastelt sich Remainder vor den Augen und Ohren des Publikums selbst zusammen. Oder sollte nicht besser von erzählerischer Demontage die Rede sein? Die Auflösung des Verwirrsspiels jedenfalls ist rund, vielleicht ein klitzekleines Quentchen zu rund (was ein Spoiler wäre, ließe er sich nicht erst nach Sichtung dechiffrieren). In seiner mementoesken Verspieltheit hat Fast fast schon einen nostalgischen Film gedreht, der an die Hochzeiten dieses schicken Subgenres erinnert. No cats were harmed during the making of this picture.

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